Eisenkumpel

„You got to shock the muscle.“ Arnold Schwarzenegger.
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Bilderrätsel: Was soll das? (Auflösung unten)

Mildred war die Tochter eines Seemannes. Wahrscheinlich hatte sie daher die beherzte Art und den Drang, zuzupacken, gleich welche Widrigkeiten ihr um die Ohren wehten. Durchsetzen konnte sie sich, unter Frauen und auch unter Männern, und das machte sie zu einer der größten Athletinnen der vergangenen 100 Jahre.

Denn Mildred konnte alles. Ein paar Stammsportarten, wie vor allem die Leichtathletik (alles in der Leichtathletik, um genau zu sein), Basketball, Baseball (im Profiteam der Männer der Brooklyn Dodgers!), Billard, Bowling und zum Ausgleich dann noch Fechten, Boxen, Schießen, Tennis, Reiten und Eisschnelllauf. Was man eben so macht, wenn man sich vielseitig und rundum körperlich betätigen möchte.

1932 nahm sie an den US-Meisterschaften in der Leichtathletik teil. Warum sich für eine einzige Disziplin entscheiden, wenn es doch so viele gibt? Innerhalb von nur drei Stunden trat sie bei acht verschiedenen Wettbewerben an und gewann sechs davon. Damit war sie für die damals fünf olympischen Leichtathletikdisziplinen der Frauen nominiert. Gleichwohl durfte sie bei den Spielen in Los Angeles nur bei dreien starten, so wollten das die Funktionäre. Dass sie im Speerwerfen, Hürdenlauf und im Hochsprung die Bestmarke erzielte und zwei Weltrekorde aufstellte, verwundert nach dem bisher Gesagten kaum noch. Später entdeckte sie das Golfen, trainierte sich die Hände blutig und gewann dreimal die US Open.

Was Mildred Didrikson Zaharias recht war, soll dem kreuzbuben billig sein. Es wird mal wieder Zeit für ein umfassenderes Training. Denn eins steht mal außer Zweifel: Radfahren bringt nicht viel. Nicht, wenn man mit Spaten und Spitzhacke und bloßen Händen Wurzeln aus der Erde reißen will, die sich dort weit und tief verzweigt haben.

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Nicht, wenn man schwere Baugerüste quer über den Hof schleppen und aufbauen muss. Nichts, wenn man schwere, hölzerne Bohlen für eben jene Baugerüste über Kopf nach oben wuchten muss, eine nach der anderen. Erst recht bringt das Radfahren nichts, wenn gerade keine Leiter zu Hand ist (oder nur eine, die zu kurz ist) und man das Baugerüst außen hinauf kletternd erklimmen muss.

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200 Quadratmeter Betonreste unter den Füßen wegstemmen? Darauf haben mich die Pedalen unter den Füßen nicht vorbereitet.

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Ich habe mal überschlägig gerechnet: Nur 1000 km weniger auf dem Rad sollten die Zeit bringen, etwa 1000 Tonnen Eisen und Körpergewicht zu bewegen. Und das ist vonnöten. Als Mann kennt man das ja: Man schaut mit 20, 25 in den Spiegel und sagt sich: „Passt!“ Dann denkt man, das bleibt fortan all die Jahre so. Ganz von selbst. Ich verrate euch was: Das stimmt nicht. Alles geht sukzessive flöten: Schnelligkeit, Gewandtheit, Geschicklichkeit, Kraft.

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All die vielen Kilometer auf dem Rad lassen einen zwar viele Kilometer auf dem Rad bewältigen, aber steigt mal ab… Balanciert, springt, klettert, macht Klimmzüge; geht in tiefen Sand und ins Wasser. Es ist ernüchternd, sage ich euch. Vom Spielwitz mit Bällen und Schlägern wollen wir gar nicht reden.

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Vor Jahren hatten wir anlässlich eines Querfeldeinrennens mal überlegt, so ein Rennen durch Kraft- und Geschicklichkeitsübungen zu erweitern, auf dass sich der umfassendsten trainierte Sportler hervortut, ähnlich wie das die Kraftsportler beim Crossfit tun.

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Und seither spukt es mir wiederkehrend durch den Kopf, das Spektrum der Leibesübungen wieder zur erweitern, ein wenig zurück in die Richtung, als ich mich noch in verschiedenen Sportarten versuchte. Think Mildred! So das Motto. Kreuzbube greift zur Stange, es geht um Kraftgewinn. Nicht nur in den Beinen, sondern ordentlich verteilt auf den ganzen Leib. 

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Die versprochene Auflösung des Bilderrätsels:

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Wo bin ich?

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Jetzt leichter?

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Na gut. Wir sehen hier den größten Platz in Leuna, am Samstag im größten Wochenendtrubel gegen 13:00 Uhr.

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Damit ich mein Rad in dem Durcheinander wiederfinde, habe ich es vorsorglich mit einem großen Pfeil markiert.

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So „belebt“ sieht das da in drei Himmelsrichtungen aus. In der vierten steht dann der Grund für die Existenz dieses Orts, was auch dessen Charakter erklärt, nämlich den der Gartenstadt.

IMG_6150Ich räume ein, „100 Jahre Gartenstadt“ klingt erst einmal etwas merkwürdig, wenn es um einen der bedeutendsten Chemiestandorte Deutschlands des zurückliegenden Jahrhunderts und der Gegenwart geht. Allzu weit möchte ich nicht ausholen, ein paar Schlaglichter sollen genügen: 1916 beginnt die Errichtung der chemischen Werke  Badischen Anilin- und Sofafabrik,  Ammoniakwerk Merseburg südlich von Halle an der Saale. Die Chemiker Fritz Haber und Carl Bosch bekommen (etwas später) den Nobelpreis für ihre Erfindung der Ammoniaksynthese. Aus Ammoniak kann man sowohl Dünger wie auch Sprengstoff machen und weil damals gerade Krieg war und der Grundstoff Salpeter aus Chile nicht mehr zu bekommen war, war Habers und Boschs Erfindung umso wichtiger. Mit Erfindungen ging es weiter. Matthias Pier entwickelte die Braunkohlehydrierung, wodurch man ab 1928 synthetisch Benzin gewinnen konnte. Man kann sich denken, weshalb das dann auch wichtig wurde, es gab ja später wieder Krieg. Pflichtschuldig könnte ich jetzt noch hinwerfen: „Giftgasproduktion“, „Zwangsarbeiter“ „Bombardierung durch 6500 alliierte Flugzeuge“ usw., aber das war nicht der Grund für mich, an einem sonnigen Augusttag Leuna zum Mittelpunkt einer 100 km-Runde zu machen.

Mit dem Ausdauersport ist das ja so eine Sache. Früher oder später wird es etwas fad, weil das reine Kilometerabspulen in etwa so ist, als spielte man Woche für Woche Fußball und das Ergebnis lautete immer 1:1 – und man wüsste das vorher auch schon. Der kreuzbube entgeht dem, in dem er sich immer neue Ziele sucht, ob das Orte sind oder Veranstaltungen, die ihn ohnehin interessieren und wo das Rad ihn so ganz nebenbei hinbringt.

Der Reisegrund diesmal: In Leuna begehen sie 100 Jahre Gartenstadt. Das hat mir der Moderator des hiesigen Kulturradios verraten und das hat mich neugierig gemacht. Von Leunaer Gärten wusste ich nichts, hatte primär noch im Kopf, wie Bundeskanzler Kohl damals nach der Wende die Werke über Nacht an den französischen Konzern Elf-Aquitaine (heißt heute Total) verkaufen ließ und später die Manager des französischen Konzerns wegen Schmiergeldzahlungen verurteilt wurden.

Statt eines solchen Sumpfs hatten die Gründer der Stadt Anfang der 20 Jahrhunderts einen blühenden Ort vor Augen. Architekt Karl Barth beschrieb die geplante Werkssiedlung so:

„Für die Industrie ist es von größter Wichtigkeit, die Wohnkolonien immer weiter auszubauen, um durch Ansiedlung dem ständigen Arbeiterwechsel Einhalt zu gebieten, die Leute durch den Besitz eines eigenen Hauses mit Garten mehr an das Werk zu binden und dadurch den Heimatsinn zu bilden und zu pflegen.“

Also bin ich da mal hin gekurbelt und habe mir angeschaut, was davon noch zu sehen ist. Und in der Tat eröffnet sich der beschriebene Charakter der Stadt recht schnell, sobald man etwas langsamer fährt und mal bei den Leuten auf den Teller über den Gartenzaun schaut.

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Die vor 100 Jahren errichten Häuser sind überwiegend in einem modernen Zustand und hinter ihnen finden sich noch immer die Gärten, die dem damaligen Arbeiter einen eigenen Flecken Grün bescherten.

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Überall führen schmale Wege zwischen Lattenzäunen hindurch, mal sind die Gärten mit Kinderspielanlagen versehen, mal sind sie verwildert.

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Stets aber kann man erkennen, dass diese Wohn- und Lebensverhältnisse in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts für die Beschäftigten der Leunawerke einen beachtlichen Gewinn an Lebensqualität bedeutet haben mussten, der den Nachfolgern im VEB der DDR noch Mitte der 50er Jahre offenkundig ein Dorn im Auge war, wie die ZEIT 1957 den damaligen Betriebsleiter zitierte:

 „gelang es nicht immer, nachzuweisen, daß der IG-Farben-Konzern die damaligen angeblich sozialen Maßnahmen nur als ein soziales Mäntelchen für seine sonstige Ausbeutertaktik und seine verbrecherische Arbeit benutzt hatte.“

So hatte man einen schweren Stand bei den verwöhnten, alteingesessenen unter den 30.000 Arbeitern, denen man auch in anderer Hinsicht nicht beizukommen wusste:

„Doch noch immer sind die Arbeiter … von falscher Solidarität erfüllt; erbittet ein Parteigenosse Auskünfte über Personen, so schweigen sie, da sie glauben, daß man sich mit einem Arbeiter solidarisch erklären müßte, wenn jemand von der Parteileitung oder der Betriebsleitung eingreift.“

Plastikpark Leuna

Plastikpark Leuna

Um das Programm politisch ausgewogen zu gestalten, kommen wir nun zu meinem zweiten Reisegrund, und das ist der Plastikpark in Leuna. Etwa 30 Bronzen aus der Zeit von 1947 bis 1967 sind dort aufgestellt, hinzu kommt ein halbes Dutzend, das vor den Toren der etwa zwei Kilometer entfernten Leuna-Werke steht. 

Waren die Kapitalisten mit der mustergültigen Erschaffung einer Stadt für die werktätige Bevölkerung deutlich in Führung gegangen, hat sich der Arbeiter- und Bauernstaat in kultureller Hinsicht nicht lumpen lassen. Die Förderung der Kunst war nicht zuletzt Aufgabe der Betriebe, designed wurde von der Kantine bis zur Schaltzentrale, und thematisch wurden der Arbeiter, der Bauer und nicht zuletzt der Sportler hervorgehoben.

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Schwimmerin

Die Opfer des Faschismus durften selbstredend nicht fehlen. 

Widerstandskämpfer von Auschwitz Ludwig Engelhardt 1947

Ein lohnenswerter Ausflug ist es, den ich gerne noch einmal wiederholen werde. Das Licht war in der Mittagshitze und unter wolkenlosem Himmel fürs Fotografieren völlig ungeeignet und die Mitfahrer waren verletzungs- und krankheitsbedingt ausgefallen, weshalb ich sie ein anderes Mal dort hin bringen darf. Ich kann den Ausflug nur jedem empfehlen. Je nach Startort im Großraum Leipzig ist man hin und zurück ungefähr vier Stunden unterwegs, zwischendrin sollte man sich eine Stunde Zeit nehmen, um sich in der Stadt umzuschauen. Ab dem Kulkwitzer See folgt man dem Radweg via Lützen nach Rippach, um von dort über den Saaleradweg nördlich nach Leuna zu gelangen.

Stadt Leuna Saale

An diesem Schild hier geht links ein Weg über eine Wiese hinauf und man steht direkt im Plastikpark. Das dortige Café hat leider geschlossen, aber am etwa zwei Kilometer westlich gelegenen Leunatorplatz gibt’s einen Bäcker, der Samstags bis 14:00 Uhr geöffnet hat.  Sonst gibt es da außer einem REWE eher – nichts. Alternativ dazu kann man auch einfach die paar Kilometer nach Bad Dürrenberg fahren. Am Gradierwerk, das in der Mittagshitze erstaunlich erfrischenden Schatten mit Meeresbrise (der geförderten Sole sei Dank) bietet, finden sich drei, vier Möglichkeiten, an erfrischende Getränke, Speisen und Eis zu gelangen.

Gradierwerk Bad Duerrenberg

Wer anschließend nicht den gleichen Weg wie auf der Hinfahrt nehmen will, kommt über die kleinen Orte Tollwitz, Ragwitz und Zöllschen sehr verkehrsberuhigt nach Lützen zurück.

So viel für heute, viele Fotos von schönen Skulpturen gibt es demnächst beim Artfahren zu bewundern. (Für die Punktewertung beim Artfahren werden die dort auch mit Name, Künstler und Entstehungsjahr versehen)

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La Hanka

Wenn man so losfährt, dass man am Ziel zeitig genug ankommt, damit noch eine dreiviertel Stunde Zeit ist, um in Ruhe etwas zu essen und zu trinken, bevor es losgeht, und man dann stattdessen den Start sogar verpasst, dann kann das verschiedene Ursachen haben: Die Form stimmt nicht. Das Wetter stimmt nicht. Der Weg stimmt nicht.

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Oder es kommt alles zusammen. Obwohl, am Weg lag es am wenigsten. Ich bin die Strecke ja im vergangenen Jahr schon mal gefahren und hatte sie daher mehr oder weniger im Kopf. Mit der Annahme eines Formtiefs kommen wir der Sache schon näher, und wenn wir vom Wetter reden: Das hat die schlechten Beine des kreuzbuben schonungslos offengelegt. Die Route führte strikt in eine Richtung und genau von dort kam unerwartet starker Wind. Der eine oder andere kennt vielleicht die Videos von Robert Förstemann … Sechzich!… Dreiunsechzich!…. nah komm, hopp! fünfunsechzich… Hopp-Hopp! Ich hingegen habe bei meiner Fahrt gegen den Wind so in etwa die Kehrwerte zu Förstemanns Zahlen gebildet… Neunzehn!… Achtzehn!… Sechzehn!… Leck‘ mich doch

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Wie gesagt, ich kam also eine Viertelstunde zu spät an in Gera, wo sie auch heuer wieder das Après Tour Rennen durch die Innenstadt veranstaltet haben – was man gar nicht genug loben kann in Zeiten, in denen allerorten die Radrennen sterben.

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Es ist schon eine merkwürdige Sache. Alle Welt kauft sich Rennräder, verkleidet sich als Rennfahrer, palavert darüber, wie die Profis das machen, aber wenn es darum geht, mal vor Ort Präsenz zu zeigen und auch die heimische Wirtschaft am Getränke- und Bratwurststand zu unterstützen, dann ist es mit der Leistung nicht weit her. Ich war ja im vergangenen Jahr schon in Gera, außer mir schaute sich noch ein zweites von 100 Mitgliedern unseres Radsportvereins das mit Tour de France-Fahrern gespickte Profirennen an. Dieses Jahr wollte von den Radsportkollegen wohl gar keiner den Weg von Leipzig nach Thüringen machen. 

Verpasst haben sie:

Das Profirennen auf einem 50 mal zu fahrenden, 1,4 km langen Rundkurs durch Gera.  Die Augen aller ruhten natürlich auf André Greipel vom Team Lotto-Soudal, der zuletzt die spektakulärste Etappe beim größten Radsportereignis der Welt gewonnen hat, nämlich die Sprintankunft auf der Avenue des Champs-Élysées in Paris. 

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In einem rasanten Rennen gab es auf den 70 Kilometern ständige Ausreißversuche, Tempoverschärfungen und immer neue Rennsituationen.

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Am Schluss fehlte André Greipel eine Sekunde, um ganz oben auf dem Podest zu landen. An diesem Nachmittag hatten zwei andere die Nase vorn. Jascha Sütterlin von Team Movistar wurde Zweiter, den Sieg holte sich im Schlussspurt Nils Politt vom Team Katyusha.

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Das Sprintduell Radsprinter vs. Speedskater. Beliebt wie im vergangenen Jahr war auch diesmal das Duell von Robert Förstemann gegen einen Skater. War es im vergangenen Jahr Tobias Hecht, so nahm diesmal Toni Deubner die Rolle des Herausforderers auf den acht Rollen an.

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Drei Läufe über 80 Meter wurden ausgetragen. Im ersten Lauf hatte Robert Förstemann deutlich das Nachsehen. Skater Toni Deubner kam viel schneller und besser ins Rollen und konnte sein Tempo bis ins Ziel durchhalten.

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Das schien „Quadzilla“ Förstemann gewurmt zu haben, denn im zweiten und dritten Lauf zeigte er, wo der Hammer hängt und raste jeweils als Erster über die Ziellinie.

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Der Robert Förstemann ist übrigens im Interview ein ganz unterhaltsamer Typ. Sein härtester Gegner sei nicht der Gepard gewesen, gegen den er mal antrat, sondern der Toaster. Aber was es damit auf sich hat, dürft ihr selbst herausfinden.

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Das eigentliche Highlight des Tages: Der Abschied von Hanka Kupfernagel (42). Alle ihre Erfolge der letzten Jahrzehnte aufzuzählen, würde viel zu lange dauern. Ich kürze das ab, keine hat so abgeräumt wie sie. Neben 18 WM-Medaillen stehen 35 Deutsche Meisterschaften, Olympia-Silber und drei Jahre als Nr. 1 der Weltrangliste auf der Straße in ihrem Palmarès. Auch anlässlich des Rennens in Gera wurde immer wieder betont, dass sie DIE Radsportlerin Deutschlands überhaupt ist. Für mich ist die Beschränkung auf die weiblichen Sportler unnötig, denn auch unter den Männern gibt es kaum einen, der eine solche Titelsammlung aufweisen kann. Wäre sie einer, nämlich ein Mann, dann wäre sie auch in der Öffentlichkeit der Superstar des deutschen Radsports gewesen. So lange so gut, so lange in der Spitze, das macht ihr so schnell niemand nach.

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In Gera also gab sie ihren Abschied von der Straße. Fortan möchte sie nur noch mit dem Mountainbike aktiv sein. Auch da weiß sie, wie es geht. 2015 hat sie beim Cape Epic, dem härtesten Mountainbike-Etappenrennen der Welt, ihr Debüt gegeben und ist auf Anhieb Vierte geworden. Für ihren Abschied auf Asphalt hatte sie ca. 60 Weggefährten, Freunde und Verwandte zu einem letzten Rennen eingeladen. Mit dabei waren unter anderem Radsportgrößen wie Olaf Ludwig, Mario Kummer und Olaf Pollack und auch ihr Bruder Stefan, die alle zeigten, dass sie noch Rad fahren können.

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Mit einem Schnitt von 35 km/h fuhr das aus aktiven und nicht mehr aktiven Männern und Frauen aller Altersklassen bestehende Feld 25 Runden.

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Ein paar Runden vor Schluss war die Lücke zwischen der Führungsgruppe und der Gruppe mit Hanka Kupfernagel so groß geworden, dass ich mich schon fragte, ob da etwa jemand nicht weiß, was sich gehört…

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Dann setzte sich André Greipel, der sich bis dahin hinter dem Feld entspannt plaudernd die Beine gelockert hatte, an die Spitze der Verfolger und fuhr Hanka dort hin, wo sie hin gehörte: An die Spitze und hinein in den Regen aus Goldkonfetti, der sich beim Überqueren der Ziellinie über sie ergoss.

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Meine am Vormittag noch etwas getrübte Stimmung ob der misslichen Anfahrt war da längst verflogen. Es war schön, dabei gewesen zu sein und Hanka im Laufe der Jahre ein paar Mal gesehen zu haben. Hanka Kupfernagel – Tolle Sportlerin, tolle Frau! Eine wie sie wird es wohl nicht noch einmal geben.

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Le pauvre Bernard, 8: Dreams are my reality

von prieditis

Le pauvre Bernard, 8

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Le pauvre Bernard, 7

Was aber wurde aus unserem armen Bernard? Angriffslustig wie er war, stand aufgeben außer Frage. Auftrumpfen würde er, mit einer Rarität, die man nicht alle Tage sieht. Bernard Hinault und die Eroica, endlich würde zusammenwachsen, was zusammen gehört. Indes, der Verantwortliche der Franchisekette…

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Bismarck hier, Bismarck da

Als Verantwortlicher der Unendlichen Rundfahrt muss ich natürlich auch regelmäßig kontrollieren, ob die mit unseren Türmen ordentlich umgehen. Nachdem das Renngeschehen mittlerweile an mir vorbeirollt, habe ich dazu mehr Gelegenheit. Den reicht früh schon eingeheimsten Bismarckturm in Weißenfels konnte ich am vergangenen Sonntag erstmals von innen besichtigen und erklimmen. Alle Achtung, kann ich da nur sagen, das ist vom Feinsten, was die Restauratoren und Sanierer vom dortigen Bismarckturmverein auf die Beine gestellt haben. An Stelle der einstigen, originalen Steinadler thronen ja schon eine Weile neue oben auf dem Turm. Drinnen ist ein einziger verbliebener Originalkopf ausgestellt (dessen Foto mir leider misslungen ist). Er entging der vollständigen Zerstörung, als die Taliban Verantwortlichen in der DDR die vier Adler aus der Verankerung gerissen, vom Turm gestürzt und zu Schotter geschreddert hatten. Dank der im Turminneren neben weiteren Exponaten rund um Bismarck aufgestellten Informationstafeln bekommt man einen schönen Eindruck, wie groß die Adler sind. Weiterlesen

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Schnee auf der Marmolata

Schnee auf dem Kilimandscharo ist wohl Hemingways bekannteste Kurzgeschichte und darin erzählt er von Harry, der Wundbrand hat. Und Harry erzählt von sich, erzählt von seinem ersten, dem wahrhaftigen Leben, und von seinem zweiten, dem Leben der Lüge; er erzählt davon, wie er stirbt, weil er das Jod vergessen hat, dort am Fuß des Kilimandscharo, als ein simpler Dorn für eine Entzündung in einem Bein sorgte. Er erzählt von seiner Frau, der Frau nach vielen anderen Frauen. Er zankt mit ihr, während er da auf seinem Lager liegt und der Tod in Schüben über ihn komt. Er verletzt sie, dann gleitet er wieder zurück in die gewohnte Lüge, bittet sie um Verzeihung, schiebt seinen Zustand vor. Harry erzählt von den Geiern, die den Tod wittern und näher kommen ans Lager, wo seine Frau und die Helfer ihn versorgen, wo das Auto nicht mehr fährt und sie auf das Fluhzeug warten, das nicht kommt. Er erzählt von der Hyäne und den Lauten, die sie macht, wenn sie nachts wartend um das Lager streicht. Und dann schläft Harry ein, unter seinem Netz, und seine Frau sieht, dass er sein Bein heraushängen lassen hatte und sie kann nicht hinschauen, als sie die Hyäne verschwinden sieht, die nun ganz andere Laute macht.

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Mein Leben am Limit

Scott und seine Mannschaft übrigens haben am Ende ihres Horror-Trips nur noch zwei Kilometer pro Tag geschafft. Zwei Kilometer! Es war fünfzig Grad kalt, das nächste große Nahrungsdepot, gefüllt mit einer Tonne Proviant und Brennstoff, lag noch elf Meilen entfernt. Da lag Proviant für den ganzen Winter, vielleicht hätten sie dort überleben können. Sich einfach einbuddeln, einen Eispalast bauen und schlafen und kochen und heizen. Aber sie waren so ausgezehrt, dass sie am Ende nur noch zwei Kilometer am Tag schafften. Ganz zum Schluss nicht einmal mehr das. Sie sind im Zelt liegengeblieben und gestorben. Weil sie wußten, die Nahrungsmittel und die Kräfte reichen nicht mehr für die Distanz von elf Meilen.
Reinhold Messner, Mein Leben am Limit, München 2004
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Schläge hat es getan, als würde das Haus beschossen. Als wären es Einschläge und nicht nur ein Gewitter, das zwischen unserem Haus und dem Kreuzkofel tobte, ein Naturschauspiel, dessen Zuschauer wir durch die Panoramascheiben unserer Ferienwohnung sein konnten. Am nächsten Tag regnete es erneut und mehr als eine kurze Ausfahrt zum Eingewöhnen war mit den Rädern nicht drin. Ein paar Anstiege, ein paar geschwungene Abfahrten, was man halt so braucht, wenn man noch eine Woche lang in den Dolomiten unterwegs sein will. Weiterlesen

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