★ The Nova Is Over

It’s safe out there
And now you’re everywhere

Just like the skies
Brendan’s Death Song, Red Hot Chili Peppers

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Der Gute Bubi war der Namensgeber und in der Anfangszeit der Inhalt dieses Blogs. Ohne ihn gibt es diesen Blog nicht mehr.

Ein zweites Leben lernen in 50 Folgen. Das war das ursprüngliche Konzept. Zuerst andernorts, dann hier. Das Radfahren war zunächst nur Lückenfüller, Episoden, die ich zwischen die Episoden schob. Hat man es mit ernsten Problemen zu tun (und ein aggressiver, bissiger Notfallhund ohne jedes Sozialverhalten ist ein ernstes Problem), dann ist es die schlechteste Idee, sich nur noch mit dem Problem zu beschäftigen. Keinem der Beteiligten geht es dadurch besser und das Problem wird auf diese Weise auch nicht kleiner.

Rio hatte nach einem misslungenen Start in sein Dasein ein gutes, zweites Leben. Acht Jahre hat er mit uns verbracht. Ich hätte ihm gewünscht, dass es noch etwas länger andauert. Das war ihm nicht vergönnt und auch uns war es nicht vergönnt, dieses eine Mal nicht die Entscheidung treffen zu müssen, bei der man nach all Jahren und den vielen Tieren nie eine Routine entwickelt.

Zwischen all dem und darüber hinaus also das Rad, mit all seinen Folgeerscheinungen und -beschäftigungen, sogar in viel mehr als 50 Folgen. Gleichwohl sollte das hier nie eine daily soap werden, in der ich die Welt an meinen Alltäglichkeiten teilhaben lasse. Das langweilt die Leute, außer vielleicht jene, die sowieso zu viel Langeweile haben, und es langweilt auch mich. Und ich mag mich nicht wiederholen. Wenn ich selbst nicht mehr gespannt bin auf das, was ich wohl als nächstes sagen werde, dann wird es Zeit für Veränderungen. The times, they are a changing. Blog-Stop.

Es war schön und ich freue mich bis heute über jeden, der mich hier im Laufe der Jahre einmal besucht hat. Den einen oder anderen werde ich wiedersehen, ich bin ja nicht aus der Welt. Ein Hintertürchen jedoch bleibt: Der Ausgang der Unendlichen Rundfahrt ist noch immer offen. Ein letzter Turm, dass wäre die beste Art, die Karriere zu beenden. 2017, Abschiedstournee Kreuzbube.

Gute Fahrt!

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Art nach der Fahrt

Und damit haben wir unsere Gewinner. Da ich außer Konkurrenz gestartet bin, gehen die ersten drei Plätze – in dieser Reihenfolge- an randonneurdidier, Markus und prieditis. Wie versprochen und noch dazu pünktlich zu Weihnachten gibt’s Geschenke und die verteile ich so: Der Erstplatzierte randonneurdidier hat die erste Wahl. Dann darf sich  Markus etwas aussuchen  – und prieditis muss nehmen, was übrig bleibt… 😉

Die zur Auswahl stehenden Preise:

„Adler ohne Krallen“ von Christian Lax. Der Autor ist selbst begeisterter Rennradfahrer und „Adler ohne Krallen“ ist einer seiner Comics, mit denen er sich der Geschichte des Radsports angenommen hat. Zeitlich angesiedelt ist das Buch in den Jahren bis zum ersten Weltkrieg und es greift das Schicksal jener Radsportler auf, die ihre Kämpfe dann nicht mehr im Peloton, sondern auf dem Schlachtfeld austragen mussten.

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Ein kleiner Druck von besagtem Christian Lax:

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„Fausto Coppis Engel“, eine Sammlung von elf Kurzgeschichten, die Ugo Riccarelli um elf berühmte Sportler, Mannschaften und Persönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte herum geschaffen hat. Riccarelli geht es dabei nicht um Sportberichterstattung. „Seine“ Sportler sind der Aufhänger für literarische Erzählungen um Ereignisse, die sich so vielleicht hätten zutragen können – oder auch nicht.

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Bitte trefft eure Wahl und schickt mir eine email (siehe oben „Gib Laut“), wohin ich Eure Geschenke schicken soll. Ich suche nie mit Suchmaschinen nach Namen. Wer gleichwohl seinen Namen nicht preisgeben möchte, klebt einfach für eine Woche zusätzlich „Meier“ an den Briefkasten. Dem Postboten ist es ja egal, wem er was einwirft, so lange er nur überhaupt einen Namen findet.

Ich freue mich, dass euch das Artfahren erkennbar Spaß gemacht hat. Auch für mich war es eine Freude, eine weit größere, als wenn ich für mich alleine auf die Pirsch gegangen wäre.

Allen ein besinnliches Weihnachtsfest und die besten Wünsche für 2017! 

kreuzbube (Andreas)

 

 

 

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Auf den Ästen, in den Gräben

Und der Wald, er steht so schwarz und leer,
Weh mir, oh Weh,
Und die Vögel singen nicht mehr. „Ohne Dich, Rammstein
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Erster Teil.

In dreieinhalb Stunden, lobte Heinrich Mann in den 1920er Jahren, könne er von der Hauptstadt aus mit dem Zug auf die Insel Usedom fahren. Heute, im dritten Jahrtausend, dauert die Fahrt von Berlin aus fast vier Stunden. Die monumentalen Überreste aus Beton und jeder Menge Stahl, die wir hier sehen, bringen uns der Erklärung näher.

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Es gibt seit 1945 keine direkte Fernverbindung zwischen dem Festland und der Insel Usedom mehr. Wer dort hin will, muss weit vorher in Züssow (Landkreis Vorpommern-Greifswald, 1436 Einwohner) Halt machen, raus aus dem Zug und in die Usedomer Bäderbahn umsteigen. Die fährt zwar (bei Wolgast) über eine Brücke auf die Insel, aber mehr als die Triebwagen der Bäderbahn verkraftet die Brücke nicht. Ein ausgewachsener Zug übersteigt ihre Tragkraft. In den 1930er Jahren war das anders. Da passierten mehr als 30 Züge am Tag die von 1932 bis 1934 gebaute Karniner Hubbrücke. 360 Meter lang war sie und ihr Mittelteil konnte angehoben werden, damit Schiffe ihren Weg fortsetzen konnten. Vier gigantische Gegengewichte zogen nach unten und damit den mittleren Brückenteil mitsamt den Gleisen 30 Meter weit nach oben. Näherte sich ein Zug, konnten die Gleise binnen zwei Minuten heruntergelassen werden.

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Als der Krieg im April 1945 längst verloren war, sprengte die Wehrmacht die Brücke, damit die Rote Armee sie nicht nutzen konnte. Nur den mittleren Teil ließen sie stehen und fuhren die Brücke ein letztes Mal nach oben, damit die heimwärts fliehenden Überreste der Flotte zurückkehren konnten. Und so steht das (denkmalgeschützte) Überbleibsel des einstigen Schienenwegs seit 70 Jahren dort und wartet auf Züge, die nicht kommen, ebenso wie die Gleise, die noch immer dort liegen. Eine Neuerrichtung der Fernverbindung ist in weiter Ferne, auch wenn sie die Fahrzeit von Berlin nach Usedom auf zwei Stunden verringern würde. Die Turmfalken freut es, sie haben sich die Brücke längst als Nistplatz erobert und auch andere Vögel bevölkern das Relikt vergangener Zeiten.

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Eine halbe Stunde weiter, mit dem Crosser über den Haff-Radfernweg nach Stolpe.

Gräfin Freda war beliebt im Dorf. Das durfte unter neuer Herrschaft nicht so bleiben. Nichts sollte mehr an sie und an frühere Zeiten erinnern und auch das Schloss sollte nicht mehr wie ein Schloss aussehen.

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Erst riss man einen Teil davon ab, später trug man den hinteren Renaissancegiebel ab und riss die Türme herunter. Die großen Fenster mit ihren Rundbögen hatten allerdings noch immer einen zu extravaganten Charakter. Heraus damit! Statt einfach alles zu zerstören, (was ich noch ansatzweise nachvollziehen könnte) machte man sich eigens die Mühe, kleine, rechteckige Fenster hinein zu mauern, den verzierten Putz abzuschlagen und durch einfachen, grau-braunen Putz zu ersetzen. Das sah dann entsprechend aus:

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Mittlerweile ist das Schloss restauriert worden und dient als Dorfgemeinschaftshaus für vielfältige kulturelle Veranstaltungen.

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50 bis 60 km weiter nordwestlich, über Feld- und Waldwege die Küste hinauf. Wieder stoßen wir auf Bauten, die an frühere Zeiten erinnern. Nazi-Militäranlagen, Testgelände, Kraftwerk, Hafen… alles mit Hilfe von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen errichtet, um dort unter anderem die Rakete „Aggregat 4„, von Goebbels zur „Vergeltungswaffe 2“ gemacht, zu produzieren und zu erbauen.

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1945: Abreißen, damit nichts mehr an diese Zeiten erinnert? Aber hallo! Das ist doch noch gut!, Kann man doch alles weiternutzen. Was uns bei Gräfin Freda nicht recht ist, ist uns hier allemal billig! Peenemünde, ein von den Nazis für die Errichtung der Heeresversuchsanstalt einst platt gemachtes Fischerdorf, sollte bis 1990 zur Energieversorgung der DDR beitragen und der NVA eine Heimstatt bieten. Der Nordteil der Insel blieb militärisches Sperrgebiet, wie er es zuvor bereits war.

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5000 Menschen arbeiten in den 40er Jahren in Peenemünde, die Werkbahn wies 100 km Schienennetz auf und eine Ahnung von den einstigen Dimensionen bekommt man, wenn man das zum Museum umgebaute, monumentale ehemalige Kraftwerk besichtigt.

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Eine Schleuder steht nebendran, mit der die Wissenschaftler und Ingeneure Flugkörper erprobten. 1942 wurde von Peenemünde aus zum ersten Mal in der Geschichte eine Rakete ins All geschossen. Auch das Aggregat 4 selbst gibt es zu sehen, in Originalbemalung bis hin zu zur „Frau im Mond“. Auf den Feind in England gerichtet wurde die Waffe allerdings von den Niederlanden aus. 

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Weil Usedom eine Insel ist und zwar eine offenkundig von der militärischen Vergangenheit geprägte, stößt man auf solche Überbleibsel zwangsläufig, wenn das Sonnenbaden und das Baden im Meer durch die Jahreszeit bedingt ausscheiden, man mit dem Rad täglich für ein paar Stunden in allen Himmelsrichtungen unterwegs ist und man auf den Besuch noch fragwürdigerer Touristenattraktionen wie dem „verrückten Bügeleisenhaus“ als Zeitvertreib gut verzichten kann. Auch in östlicher Richtung, dem heutigen Polen, setzt sich das so fort mit einstigen deutschen Bunkern und Festungsanlagen und damit ist es dann auch mal gut mit all dem Kriegsschrott, wir wollen uns nicht noch mehr davon ansehen. Einzig der Bismarckturm hätte mich als Unendlichen Rundfahrer interessiert, aber den gibt es ja nicht mehr und die im Jahr 2015 im Gemeinderat von Heringsdorf gestellte Frage, ob er wieder errichtet werden soll, wurde abschlägig beschieden.

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Zweiter Teil.

Denn die Insel bietet auch andere Seiten und damit wird es Zeit, auch bildlich ins Heute zu springen.

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Usedom ist das ureigenste Habitat für den Crosser. Viel zu viele Wege gibt es, die uns durch Wälder führen und über sandige Abschnitte zwischen Feldern, als dass man sich mit dem Rennrad selbstbeschränken müsste.

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Gleichzeitig fehlen jegliche nennenswerten Erhebungen, für die man zwingend ein Mountainbike bräuchte. Zwar stößt man ein paar Mal auf Steigungen weit im zweistelligen Bereich, aber die sind dann eher kurz, maximal 50 Meter, drückt man also mal eben weg. Da ist nichts, was man mit einer Cyclocrossübersetzung nicht schaffen würde. Und der Strand! 42 Kilometer lang erstreckt er sich und die Kaiserbäder auf ihm zu passieren ist eine meiner Empfehlungen.

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Radwege sind auf den Promenaden längst vorhanden, aber Saison ist auch im Herbst und entsprechender Trubel herrscht zwischen Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck bis hinüber nach Swinemünde in Polen. Der durchschnittliche Radfahrer dort kann sich gerade so eben noch vorstellen, dass sich andere Pedaleure mit 18 km/h nähern, aber der Gedanke an 28 oder gar 38 km/h ist mit Schrecken behaftet, sofern er überhaupt denkbar ist. Daher: Lieber runter an den Strand.

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Meine Reihenfolge, wenn alle Radtypen im gut sortierten Haushalt vorhanden sind: 1) Cyclocrosser 2) MTB 3) Rennrad. Die Belohnung für die Wahl der breiten Reifen wartet im Wald, wenn dort plötzlich nach ein paar Böcken ein großer Hirsch mit riesigem Geweih auf die Lichtung tritt und unsere Geweihe aka Lenker mehrere Sekunden lang mustert, bevor er seinen Weg fortsetzt. Radwege gibt es zwar entlang der Straßen erfreulich viele, aber solche Erlebnisse hat man dort nicht. Zu viel wusch-wusch-wusch, es wollen ja sehr viele Menschen auf die Insel, auch im Herbst, wenn sich eine Woche lange die Sonne nicht zeigt.

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Mit dem Rennrad kann man es Lyonel Feininger gleichtun. Der Künstler und erste Bauhaus-Meister war außer vom Malen und Fotografieren auch von Usedom und dem Rennradfahren begeistert. Er kaufte sich jedes Jahr das neueste Modell und fuhr damit auf der Insel herum, wo er Motive zum Malen fand oder kurzerhand den Fischern Schilder für ihre Boote pinselte.

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Auf Usedom ist eine kurze (16 km) und eine längere (40 km) Feininger-Radtour ausgeschildert. Man kann sie auch beide verbinden umd je nachdem, von wo aus man zu ihr anreist, eine recht große Runde dort drehen, wo Feininger seinerzeit unterwegs war. Ehrlich gesagt, ist aber auch dafür der Crosser die bessere Wahl oder zumindest sollte man möglichst breite Reifen auf dem Rennrad haben.

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Denn als Feininger von 1908 bis 1912 auf Usedom Rad fuhr, da war das nicht so, wie sich das später der eine oder andere Veranstalter historischer Ausfahrten ausdachte: Die Reifen waren „früher“ und „damals“ nicht schmal, sondern hatten ordentlich Volumen, um Kopfstandpflaster, Sand und Schotter zu überwinden. Das alles findet man dort auch heute noch und auch asphaltierte Wege durch den Wald sind mit Blättern und Ästen übersäht. Zur Hubbrücke in Karnin beispielsweise führt eine sehr holprige Straße mit miesem Kopfsteinpflaster und nach Peenemünde geht es die gesamte Inselküste entlang durch den Wald, die letzten 5 Kilometer über einen Schotterweg durch Heidelandschaft. Wer primär Kilometer abspulen möchte, hat dazu mit dem Rennrad auf der Insel zwar durchaus Gelegenheit. Die vielseitigere Wahl für den Urlaub ist hingegen alles, was halbwegs breite Reifen hat. Und darüber freut sich auch der Gute Bubi, den wir hier schon lange nicht mehr gesehen haben und der mit seinen mittlerweile 12 Lenzen noch erstaunlich agil ist.

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Ohm ist zwecklos

„Mountainbikes, cross bikes, road bikes – I got them all, but the E-MTB is by far the most used one.“ Mike Kluge
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Tja:

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Oder er hier, Steve Ballmer, Microsoft Vorstand im Jahr 2007, angesichts des damals neuen iPhones – bevor davon 900 Millionen verkauft wurden… $500 for a phone???? LOL … „und es hat nicht mal ein Keyboard, weshalb es für Geschäftskunden nicht in Frage kommt.“ 

Und schon wäre alles vom Tisch gewischt, was man meiner nicht sonderlich kühnen Prognose entgegen halten könnte: In allerallerspätestens zehn Jahren wird es quer durch die gesamte Bevölkerung das Normalste von der Welt sein, mit einem strombetriebenen Rad unterwegs zu sein. Ohne, dass noch jemand darüber nachdenken oder pro und contra diskutieren wird. Gut, ich räume ein, zu dieser Ansicht gehört nicht viel, sie liegt ja nahe.

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Man muss dazu nur mal in den Bergen unterwegs sein und schauen, wie viele E-MTBs unterwegs sind, teilweise in ganzen Gruppen, und welche Infrastruktur für sie bereits geschaffen wird.

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Im Flachland lassen sich die Zeichen aber ebenfalls leicht deuten, wie prieditis und ich zuletzt in den Niederlanden erkennen konnten. 

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Das Rad, mit dem Femke van den Driesch bei der Cyclocross-WM erwischt wurde, war kein ausgeklügelter Motordoping-Umbau. Man konnte das Rad von der Stange kaufen. Es war ein regulärer Carbon-Crosser von Wilier, Modell 101, in den ein auf das Innlager wirkender Elektromotor des österreichischen Herstellers Vivax eingebaut war. Die Akkus befinden sich im Sitzrohr und von außen sieht man: gar nichts. Es schaut aus wie ein ganz normales Querfeldeinrad – mit dem man unterwegs jeden aus dem Sattel fahren kann. Nicht mal sonderlich schwer ist es mit einem Gewicht von knapp unter 10 Kilo. 

Hersteller wie Rotwild forcieren das aktuell und stellen die verschiedenen Modelle, ob Cross-Country-Fully, Trail-Bike oder Enduro, jeweils in einer Version mit und ohne Motor vor.

Aber ich will ja auf etwas ganz anderes hinaus: In spätestens (Betonung: spätestens) 20 Jahren werden die Komponenten für Elektromotoren so billig und die Akkus so klein und leistungsfähig sein, dass sie in ausnahmslos jedem Rad verbaut sein werden. Serienmäßig. Ohne Aufpreis. Kein Rad mehr ohne. Rein mechanisch betriebene Fahrräder werden Schnee von gestern sein. So wie es heute schon längst keine Schwarzweiß-Fernseher mehr gibt, keine mechanischen Schreibmaschinen, keine Rechenschieber, keine Dampflokomotiven, keine Telegramme, keine-keine-keine… 

Ein paar Sammler werden weiterhin ihrem Hobby frönen und an historischen Rädern herumbasteln, wie andere an ihren alten Autos oder an ihrer Eisenbahnplatte. Aber für das Geldverdienen, fürs Volumen, für den Massenmarkt der neuen Räder, sprich, für 99 % der Konsumenten, wird das alles keine Frage mehr sein: Der Kunde wird nicht bereit sein, für sein Geld weniger zu bekommen und für etwas zu bezahlen, das fehlt.

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Wir werden die komplette Verschmelzung von Fahrrad und Motorrad erleben. Fahrräder bekommen einen elektrischen Antrieb hinzu,  bei  Motorrädern wandelt sich der Vebrennungsmotor zum Elektromotor. Am Ende steht ein zweirädriges, strombetriebenes Fortbewegungsmittel in verschiedenen Ausprägungen. Das Bike an die Ladestation zu hängen wird so selbstverständlich sein, wie es das heute beim smartphone ist.

So und nicht anders wird es sein. Will jemand dagegen wetten? Irgendein Steve Ballmer unter den Lesern?

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Anneke eckt an

Anneke. In Delecke. Anner Ecke. Vom Turm.

Noch ’ne schöne Ecke auf dem Weg nach Delecke:

Und weil die fürsorglichen Menschen vom Amt nicht ausschließen konnten, dass ich dort dereinst auf Turmfahrt gehen würde, haben sie vorsorglich extra für mich ein Schild an einem weiteren Turm aufgestellt.

Das aktuelle Gesamtklassement der aktuellen Rundfahrt.

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Im Haine, ich

Tiefer Tann schimpft er sich nicht 
Nimmt Buche, Ahorn in die Pflicht.
Rot und gülden in des Herbstes Licht
Der Baum noch voll, das Laub noch dicht

Vorwärts, vorwärts, ohne Zag‘
Der Weg ist gut, er ist nicht arg

Müssen suchen, müssen finden
Die Türme fallen, die Türme schwinden
Immer an den Sieg geglaubt
Bevor die Hauptstadt den Triumph noch raubt

Vorwärts, vorwärts, die Kräfte nie versiegen
wollen siegen, durch den Hainich fliegen

Gelbe Route, Süd nach Nord
Das Herz schlägt kräftig, immerfort
Rote Route, Ost nach West
Der Tritt ist stark, der Tritt ist fest

Vorwärts, vorwärts, des kreuzbuben Blick
Lässt doch seine Dame nie im Wald zurück

Auf rundem Kurs nun durch die Natur
Den wilden Katzen auf der Spur
Der Fledermaus und auch dem Specht
So ist es gut, so ist es recht

Vorwärts, vorwärts, ohne Zaudern
Bevor Dunkelheit uns lässt erschaudern

Opfermoor und Betteleiche
Sperbersgrund und Hünenteiche
Esche, Linde, Totes Holz
Der Kronenpfad, der ganze Stolz

Vorwärts, vorwärts, mahnt’s Gemüt
Der treue Hund allein den Hofe hüt‘

Der Druck entweicht, schon ist er fort
Der Rettungsreifen nicht an Bord
Der Bube pumpt, der Bube presst
Havarie tief im Geäst

Vorwärts, vorwärts, spricht die Uhr
Und tief im Wald die Kreatur

Wie steht sie schließlich da, die Wehr?
festgemauert in der Erd?
Der Turm indes ist leider schlicht
Dem Eisern Kanzler entspricht er nicht

Heimwärts der kreuzbube drängt
Hat einen Sieg noch drangehängt.

Bismarck... äh... "Turm" Mühlhausen

Bismarck…“turm“ Mühlhausen

***
Ein Turm noch fehlt, oh weh! und Ach!
Doch kreuzbube ist heut‘ nicht mehr wach.
Das aktuelle Gesamtklassement der Unendlichen Rundfahrt
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kreuzbube ist sprachlos

Und äußerst fassungslos. Denn das ist beispiellos.

Los:

 

 

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Türmekegeln

vermisst toni

Ob es auch Punkte für Nachaufnahmen der Türme gebe? Es könnten ja auch Friedhofsmauern sein… Das war Tonis Frage, der Türmekegeln gehen wollte. 1000 Kilometer, ein Turm nach dem anderen. Anders als es das Foto, das als Aufhänger dient, weismachen will, ist er auch nicht verloren gegangen. Ich war stets im Bilde, welchen weiteren der verbliebenen Türme der Unendlichen Rundfahrt er mir auch noch weggeschnappt hat. Auf der Reise von Niedersachen nach Bayern waren das Hildesheim, Bodenwerder, Göttingen (und zu meinem Leidwesen auch noch beide dort!), Bad Kissingen, Würzburg, Lauf an der Pegnitz und Lattersbach.

Ich muss die Fotos nun erst noch sortieren und beschriften und Toni wird noch ein paar Zeilen zu seiner Reise verfassen, die ich dann verlinke. Vorab gibt es hier das Beweisstück für den unterwegs ebenfalls errungenen Sonderwertungspunkt, Bismarcks Studentenbude in Göttingen.

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Denn Bismarck studierte in Göttingen und ist eins der Beispiele dafür, dass man nie auf Eltern, Lehrer, Professoren und sonstige Autoritäten hören sollte, dass ob des Lebenswandels sowieso nichts aus einem werde. Bismarck nämlich landete wiederholt im Karzer (Kerker), den die Universität an der Rückseite des Aulagebäudes errichtete, um Studenten darin ihre Misstaten büßen zu lassen. Und die Liste seiner Verfehlungen war so lang wie die seiner Kommilitonen: Verbotene Duelle und Rauchen in der Öffentlichkeit, Glücksspiel, Beleidigungen, öffentliche Trunkenheit, ständiger Unfleiß, nächtliches Lärmen, Böllerwerfen, zu schnelles Reiten in der Stadt und das Baden in der Leine außerhalb der Badeanstalten wurden mit Haft im Karzer geahndet.

So, Pause gefüllt, es folgen die ersten Fotos. Glücklicherweise hat Toni den auf seiner Liste befindlichen Turm in Walsrode liegen lassen – denn der war schon vergeben, auf der 116. Etappe hatte Anneke ihn sich bereits gesichert. Mittlerweile verliert man schnell mal den Überblick. Beginnen wir dennoch in Niedersachsen:

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Bismarckturm Hildesheim

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Bismarckturm Bodenwerder

Hier gibt’s mal was etwas anderes, das aus der Reihe fällt: Ein Feueraltar. In Göttingen gab es zwar schon einen Bismarckturm, aber warum nicht einfach noch ein Denkmal hinstellen? 1000 Studenten sind seinerzeit mit Fackeln zur Einweihung gezogen und dort, wo wir heute ein Geländer sehen, war damals Feuerschale. Um den Feueraltar herum standen einst sechs steinerne Säulen, die ebenfalls Feuerschalen trugen. Wegen Baufälligkeit wurden sie in den 1950er Jahren abgerissen.

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Feueraussichtsaltar Göttingen

Damit wären wir beim eigentlichen Bismarckturm Göttingens, einem 21 Meter hohen Hauptturm (sechseckig), an den ein weiterer, 10 Meter hoher Treppenturm (rund) angefügt ist. Sieht man hier im Bild jetzt nicht so recht, muss man sich einfach mal vorstellen. Oder hier klicken, bismarcktuerme.de hat wie immer viele Infos und Bilder zur Turmgeschichte.

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Bismarckturm Göttingen

Übrigens, wegen der Bennung dieses Turms hatte man zu Lebzeiten Bismarcks bei diesem angefragt, ob ihm das denn recht sei. Ja, hat er gesagt, „Ich danke für die Ehre, welche mir durch die Benennung des Turmes erzeigt wird […]“

Anschließend ist Toni bis nach Bayern vorgedrungen, wo er zunächst den Bismarckturm in Bad Kissingen einnahm, wo Bismarck insgesamt 15 mal zur Kur weilte, obwohl dort ein Fassbindergeselle mal ein Pistolenattentat auf ihn verübte. Eine Zeitlang wurde der Ort auch als Bismarckbad und Kanzlerbad bezeichnet. Und jetzt kommt der Schocker für die Sonderwertungspunkte, für die ja auch die Bismarckeichen zählen. Man hat dort 1998 zu Bismarcks Todestag sage und schreibe 100 Bismarckeichen an der Saale-Promenade gepflanzt. Hätte der Toni das gewusst… (Ich würde sagen, wir verzichten darauf, dafür 100 Punkte zu vergeben, falls noch jemand dort hin will. Einer für das Gesamtpaket sollte reichen, oder? Die Bäume unterscheiden sich ja nicht.)

Bismarckturm Bad Kissingen

Bismarckturm Bad Kissingen

Nun hatte Toni schon einige Kilometer in den Beinen, was lag näher, als statt bloßem Kilometerfressen die Strecke nachzuwürzen. Im Bismarkwäldchen zur Würzburg fand er den nächsten Turm, zu dem es zu erwähnen gilt, dass sogar die katholischen Studentenverbdinugnen zu den Einweihungsfeierlichkeiten des Katholikenhasser Bismarck erschienen waren. (Wir erinnern uns, Bismarcks Sohn wollte einst eine Katholikin ehelichen. Darauf der gar nicht mehr eisen Kanzler: „Dann bringe ich mich um!“)

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Bismarckturm Würzburg

Wo unser heldenhafter Rundfahrer gerade einen Lauf hatte, nahm er kurzerhand auch den Bismarckturm in Lauf mit.

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Bismarckturm Lauf

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Bismarcksäule Lappersdorf

Die läppische Bismarcksäule in Lappersdorf, einst errichtet von Regensburger Offizieren des 11. Königlich Bayerischen Infanterie-Regiments „Von der Tann“ war schließlich der letzte Punktgewinn vor Tonis Ziel in Regensburg. Damit katapultierte sich Toni in einem kometenhaften Aufstieg auf Rang zwei der Unendlichen Rundfahrt. Welch ein Comeback!

 

 Das aktuelle Gesamtklassement der Unendlichen Rundfahrt
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